Die Textilindustrie gehört zu den Branchen mit der schlechtesten Ökobilanz. Baumwolle wird in riesigen Monokulturen in meist trockenen Regionen der Welt angebaut. Die Pflanzen sind extrem empfindlich und durstig. Neben dem hohen Wasserbedarf ist der Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden problematisch für Umwelt und Mensch. Die Böden versalzen, laugen aus und werden mit Nitrat angereichert. Jährlich sterben über 20.000 Bauern durch Pestizide im Baumwollanbau, 150.000 Vergiftungen werden gemeldet. Verhaltensregeln zum sicheren Umgang mit den Ackergiften gibt es zwar, doch ist entsprechende Schutzkleidung entweder zu teuer oder nicht zu haben. Alternative Anbaumethoden sind möglich, doch ist der Chemie-Handel ein Mega-Geschäft: Konzerne wie Bayer machen wichtige Umsätze mit dem Verkauf von Insektiziden.
Doch dies ist nur der Anfang der Herstellungskette. Bis zum fertigen Kleidungsstück sind bis zu 20 Arbeitsschritte nötig. Damit der Stoff nicht knittert, einläuft und die Farben leuchten, werden große Mengen Textilhilfsmittel und Farbstoffe eingesetzt. Dabei gelangen oft giftige und schwermetallhaltige Abwässer ungefiltert in die Natur. Mögliche Gesundheitsrisiken für den Träger sind kaum einzuschätzen, da es nur wenige umfassende Informationen gibt. Anders als bei Kosmetik ist die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen bei Textilien nicht transparent. Auch wenn auf dem Etikett später "100% Baumwolle" steht, machen chemische Rückstände bis zu 1/3 des Gewichtes aus!
Der Weltmarktpreis für Baumwolle ist niedrig und Kleidung bei uns dadurch vergleichsweise billig. Die Modewelt ist schnelllebig. In immer kürzeren Abständen werden neue Kollektionen auf den Markt geworfen, zwischen Entwurf und Lieferung liegen oft nur wenige Wochen. Preisdumping und Hungerlöhne für die Arbeiter bei oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen machen dies erst möglich. Bei eine Markenjeans bleibt oft nur 1% des Verkaufspreises als Lohn für die ArbeiterInnen – der Großteil fließt in Handel und Werbung. In praktisch allen ärmeren Ländern, in denen Kleidung hergestellt wird, werden Kinder und Jugendliche in der Produktion eingestzt und massiv ausgebeutet. Immer wieder werden erschreckende Fälle aufgedeckt und in den Medien diskutiert – betroffen ist dabei nicht nur Billigware. Doch obwohl sich die Situation schon verbessert hat und soziale Mindeststandards vertraglich festgelegt sind, gestalten sich Kontrollen schwierig. Aufträge werden oft über Zwischenhändler an sogenannte Sweatshops weitergegeben, in denen Kinder rund um die Uhr unter schlimmsten Bedingungen schuften.
